Ein Roadmovie der schwarzen Extraklasse ist John Dahl gelungen, mit fabelhafter Horror-Spannung und einem scharf pointierten Humor, der einem immer wieder den Atem verschlägt. Zwei Brüder unterwegs auf dem Highway . Einen Jux wollen sie sich machen und werden dafür auf albtraumhafte Weise ausgetrickst, in tödliche Angst und Schrecken versetzt. Eine filmische Delikatesse für ein großes cineastisches Thriller-Publikum.
Und es fängt so harmlos und fast gemütlich an. College-Student Lewis (der sympathische Paul Walker aus "The Fast and the Furious") startet zu einem Road-Trip von Berkeley quer durchs Land über Colorado, wo er seine Freundin Venna (sexy, schön und aufgeweckt: Leelee Sobieski) abholt, bis nach New Jersey, wo beide zu Hause sind. Insgeheim hofft er, dass aus der platonischen Freundschaft endlich mehr wird. Dummerweise muss er noch einen Umweg fahren und in Salt Lake City seinen älteren, ewig in Schwierigkeiten steckenden Bruder Fuller (schlitzohrig: Steve Zahn) aus der Haft auslösen, die der sich mit Trunkenheit und Unruhestiftung eingebrockt hatte. John Dahl klärt mit dieser Exposition ganz beiläufig die mehr oder weniger erwartete Dreieckssituation, die sich scheinbar auch so einstellt, doch bis dahin ist schon so viel Unerwartetes passiert, dass man mitten in einem Thriller steckt und sich von immer beängstigenderen Unheimlichkeiten umzingelt fühlt. Wie die drei im Film. Das Unglück will es nämlich, dass Fuller aus einer Laune heraus ein altes CB Radio gekauft hat, wie es in den siebziger Jahren populär war und mit dem sich die Autofahrer untereinander anonym verständigen konnten - ein bisschen Unterhaltung auf den langen, einsamen Strecken. Das falsche Rendezvous, zu dem Fuller und Lewis einen unbekannten Trucker locken, endet in einer Katastrophe. Der Scherz geht daneben und weitet sich zu ungeahnten Schrecken aus, denn der Gefoppte schlägt zurück, beginnt seinerseits die beiden Brüder und auch die inzwischen dazu gekommene Venna und deren Freundin zu jagen. Immer bedrohlicher werden die Verfolgungsattacken des Truckers, der den schön gruseligen Namen "Rusty Nail" trägt und seinen Opfern immer nähre auf die Pelle rückt, oft wie aus dem Nichts plötzlich auf dem nächtlichen Highway heranbraust. Dahl verwendet geschickt nur die Stimme des Unheimlichen, zu sehen bekommt man ihn nie, was die Omnipräsenz des Schreckens nur noch stärker macht und dem riesigen, scheinbar führerlos dahin brausenden Truck surreale Mad-Max-Effekte verleiht. Und weil man das Monster nicht sehen und anfassen kann, bewegt sich der Film wunderbar auf einer ebene der Groteske, wo mit dem Entsetzen Scherz und umgekehrt getrieben wird. Einen so perfekten Hightway-Thrill hat man seit David Lynchs "Lost Highway" schon lange nicht mehr gesehen. fh.
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