Kรผhl inszeniertes Drama mit Kristin Scott Thomas und Daniel Auteuil รผber die emotionale Krise eines Paares im Herbst des Lebens.
Nach seinem bemerkenswerten Regiedebรผt "So viele Jahre liebe ich dich" mit Kristin Scott Thomas besetzt Philippe Claudel die Schauspielerin auch in seinem neuen Ehedrama als Lucie, von Beruf fรผrsorgliche Gattin in einer scheinbar glรผcklichen, seit 30 Jahren wรคhrenden Ehe. An ihrer Seite agiert Daniel Auteuil als erfolgreicher Neurochirurg, der abends erschรถpft nach Hause kommt. Ein Glas Wein zusammen, das war's dann an Gemeinsamkeit. Als Paul riesige Rosenstrรคuรe ohne Absender erhรคlt, nicht nur in Klinik und Praxis, sondern auch nach Hause, zeigt die perfekte Fassade plรถtzlich Risse. Fรผr weitere Irritationen sorgt eine junge Marokkanerin, die scheinbar zufรคllig immer wieder den Weg des Mannes kreuzt, ihn aus der emotionalen Reserve lockt und dazu bringt, รผber sein in Routine ersticktes Leben nachzudenken. Claudel, der sich von Groรmeistern wie Claude Sautet oder Claude Chabrol inspiriert fรผhlt, schafft nicht ganz deren subtile Zeichnung der franzรถsischen Groรbourgeoisie, trotz ideenreichem Szenenbild, ausgeklรผgelter Farbkombination und subtilem Kameraeinsatz. Auteuil, der schon in Michael Hanekes "Cachรฉ" mit Juliette Binoche erlebte, wie eine komfortable Partnerschaft durch unkalkulierbare und anonyme Krรคfte ins Wanken gerรคt, bleibt - wie auch Scott Thomas, mit der er das dritte Mal vor der Kamera steht - schauspielerisch unter seinen Mรถglichkeiten bei diesem versuchten Ausbruch aus einem von der Welt abgeschotteten Mikrokosmos, in einem "glรคsernen Sarg" wie Lucies psychisch labile Schwester es nennt. Die schon lange abgebrochene Kommunikation manifestiert sich in lapidaren und alltรคglichen Phrasen und als sie das Bedรผrfnis spรผrt, wirklich zu reden, folgt die eiskalte Replik "worรผber denn"? Claudel spielt mit dem Klischee รคlterer Mann verliebt sich in junge Frau, verzichtet aber auf eine Sexualisierung des Verhรคltnisses. Mancher Erzรคhlstrang verliert sich im Vagen, die innere Logik bleibt bruchstรผckhaft. Das Ehedrama ist trotz mancher gekรผnstelter Dialoge in sich stimmig, die Intensitรคt leidet jedoch unter dem zusรคtzlichen Thrillerthema und dem รผberspitzten Spiel mit Metaphern, ein Faible, das Claudel auch in seinen Bรผchern demonstriert. In der feinkomponierten finalen Szene erweist sich Claudel jedoch als Meister der Beziehungspsychologie.mk.