Mit einem komplexen Drama über die in ihrer Intensität unerwiderte Liebe einer Frau kehrt Terence Davies nach langer Pause wieder zum Kino zurück.
Elf Jahre nach der Edith-Wharton-Adaption "Haus Bellomont" und der 2006 im letzten Moment geplatzten, vor Kurzem aber erneut angekündigten Verfilmung des schottischen Romanklassikers "Sunset Song" zeigt Filigranregisseur Davies, dass sein meditativer Inszenierungsstil und ein britischer Bühnenklassiker der 1950er Jahre eine harmonische Bindung eingehen. Terence Rattigans 1952 uraufgeführtes Drama, dem drei Jahre später die Erstverfilmung mit Vivien Leigh folgte, ist untauglich für Entspannungskonsumenten, muss in der Konfrontation mit verhaltenem Erzähltempo, mit Figuren und Emotionen, die sich schneller und eindeutiger Akzeptanz entziehen, erarbeitet werden. Für Davies' Verfilmung gilt das auch, doch der Lohn ist eine berührende Analyse einer zwischenmenschlichen Versuchsanordnung, in der Liebe von drei Personen völlig unterschiedlich empfunden und gelebt wird.
Wie die Vorlage eröffnet auch die Verfilmung mit dem gescheiterten Selbstmordversuch von Hester Collyer, die vor den Trümmern ihres Lebens steht, gespiegelt in der unverändert sichtbaren Zerstörung im Nachkriegs-London der frühen 1950er Jahre. Für den jungen Draufgänger Freddie hat sie ihren älteren, gut situierten Mann, der sie aufrichtig, aber ohne jegliche sexuelle Spannung liebt, verlassen und muss nun erkennen, dass auch ihr ins leichte Leben abgestürzte Ex-Bomberpilot nur ein Kompromiss ist, weil er Hesters bedingungslos leidenschaftliche Liebe weder wirklich verstehen noch erwidern kann. An Hesters Geburtstag, der eigentlich auch ihr Todestag werden sollte, führt der Film in Rückblenden immer wieder zu entscheidenden Stationen dieser Beziehung zurück. Das Durchstreifen von Erinnerungen, das zurückgenommene Erzähltempo, der sinfonische mit Evergreens der Ära gekoppelte Soundtrack und der Mix aus nostalgischer Sehnsucht und quälenden Emotionen sind typisch für Davies, der das Erstickende, das Hesters Ehe wie auch ihre Liebe für Freddie kennzeichnet, in klaustrophobischer Atmosphäre, in vielen beengten Innen- und Studioaufnahmen sichtbar macht. Wenn sich am Ende dieses von Rachel Weisz und Tom Hiddleston bestechend gespielten Melodrams der Vorhang in Hesters kleinem Apartment öffnet, ist die Befreiung für die Protagonistin ein Fragezeichen, für den Zuschauer aber eindeutig. kob.
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