Mit einem schrägen Kiffer-Fresko über das Los Angeles der frühen 1970er Jahre gibt sich Independent-Ikone Paul Thomas Anderson versponnen und komisch.
Nach den schweren Dramen "The Master" und "There Will Be Blood" ist diese Verfilmung eines Romans von Thomas Pynchon ein amüsantes Leichtgewicht, das gleichzeitig als atmosphärisches Porträt einer Ära des Übergangs wie auch als halluzinogener Noir-Trip funktioniert. Tourguide ist Joaquin Phoenix' kiffender Privatermittler, der mit seinem konstant verdutzten Blick eine labyrinthische Geschichte kommentiert, die wie eine lang gezogene Rauchschwade in einem fast alternativen Bewusstseinszustand inhaliert wird.
Wie der Protagonist staunt man über das, was man hier zu sehen bekommt. In einem Noir-Opening wird Privatschnüffler Larry Sportello (Joaquin Phoenix) von seiner Ex-Flamme um Hilfe gebeten, weil ihr neuer Begleiter, ein Immobilienmagnat, Opfer eines Komplotts seiner Frau werden soll. Kurz darauf ist der Geschäftsmann, der sich in spiritueller Erleuchtung zum Wohltäter wandelte, spurlos verschwunden und sein Leibwächter ermordet. Mit der Gelassenheit seines benebelten Ermittlerhirns wird sich Sportello immer tiefer in den Fall eingraben, spuckt der Film immer wieder neue Figuren aus, die den Blick auf das große Ganze komplizieren, bevor am Ende ein Hauch von Transparenz einzieht und eine Manipulation enthüllt wird, die nicht nur den Betroffenen überrascht. Schlüsselfigur ist hier Josh Brolins LAPD-Detective, der mit Phoenix das komische Zentrum des Films ist und Sportello auf seinem Weg durch den Dschungel von Motiven und Charakteren immer wieder über den Weg läuft.
Drogen sind hier Konsumgut wie auch Instrument eines Kriminalplots, der nahezu frei von Action und Gewalt mit langen Einstellungen und vielen Dialogszenen entwickelt wird. Leicht macht es dieser detailverliebte Zweieinhalbstünder dem Zuschauer nicht, der sich auf das Slow-Motion-Tempo und ein Erzählen einlassen muss, das sich gerne in interessanten Randaspekten verliert. Aber er belohnt mit subtilen, oft beiläufig präsentierten Gags, schrulligen Figuren, einem lakonischen Ton und einer surrealen Story, die die Drogeneuphorie der Ära wie auch die Paranoia vor Sekten und militanten Bewegungen spiegelt. Der Soundtrack ist dabei so chamäleonesk wie der Film, vereint die Kölner Krautrockpioniere Can mit Neil Young und Minnie Riperton, der früh verstorbenen Mutter von Andersons Frau Maya Rudolph. kob.
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