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★★★★★
☆☆☆☆☆
Über die zeitlose Relevanz von Rassismus &sozialer Gerechtig
Mirjan S. - Bewertet am 20.05.2024
Zustand: Exzellent
"Nachbarn" von Diane Oliver ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich mit den sozialen Umständen und rassistischen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten befassen. Die Autorin, Diane Oliver, wurde 1943 in Charlotte, North Carolina, geboren und hat posthum Anerkennung für ihre Werke… erhalten, darunter die preisgekrönte Geschichte "Nachbarn", die mit dem O. Henry Award ausgezeichnet wurde. Sie verstarb bereits im Alter von 22 Jahren.
"Nachbarn" ist eine literarische Arbeit, die die gesellschaftlichen Veränderungen und rassistischen Spannungen in den USA der 60er Jahre einfängt. Die Geschichten erkunden Themen wie Rassismus, Familienbeziehungen und ethische Dilemmata. Beispielsweise, von der Entscheidung, Kinder in segregierten Schulen einzuschulen oder nicht, bis hin zu den Auswirkungen rassistischer Übergriffe auf das Leben eines Paares im Wald - jede Geschichte wirft ein Licht auf die komplexen Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft.
Als Gewinnerin des Buches hatte ich keine konkreten Erwartungen, dachte aber, dass es sich um einen "normalen" Roman handeln würde, umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es sich um Kurzgeschichten handelte. Besonders beeindruckt war ich von der reflektierten Schreibweise der Autorin, die bereits in jungen Jahren sozialkritische Themen aufgriff. Meine persönlichen Favoriten waren "Die Kammer im obersten Stock", "Gefrorene Stimme" und "Unser Ausflug ins Naturkundemuseum". Die Vielfalt der behandeltet Themen - von Armut über Klassenzugehörigkeit, Liebe, mentale Gesundheit, "Race" und "gender" bis hin zu Rassismus - machte das Lesen zu einer fesselnden und lehrreichen Erfahrung. Das Nachwort half mir, historische Zusammenhänge besser zu verstehen und einige der Geschichten in den Kontext der Black American History einzuordnen. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Vom Leben Schwarzer AmerikanerInnen in den 50ern & 60ern
Julia S. - Bewertet am 18.02.2024
Zustand: Exzellent
AUTORIN & INHALT:
Die 1943 in North Carolina Autorin Diane Oliver konnte zu ihren Lebzeiten vier Kurzgeschichten veröffentlichen, ehe sie im frühen Alter von 22 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Zwei weitere Veröffentlichungen folgten nach ihrem Tod.
Gemeinsam mit ihren unentdeckten… Werken ist nun, viele Jahre später, die Kurzgeschichten-Sammlung „Nachbarn“ erschienen.
Darin erzählt Diane Oliver vom Leben Schwarzer AmerikanerInnen in den 50er- & 60er-Jahren in und aus den Südstaaten. Es ist eine Zeit des Umbruchs, politische Themen nehmen großen Einfluss auf den Alltag, vor allem die Rassenintegration.
Oliver berichtet von Schwarzen Hausangestellten, die sich um die Kinder von weißen, wohlhabenden Familie kümmern, während ihre eigenen Familien ohne sie zurechtkommen müssen.
Sie erzählt die Geschichten von Kindern, die als einzige Schwarze in eine Schule, bzw. an ein College von den Weißen gehen sollen und welche erheblichen Auswirkungen dies nach sich zieht.
Sie schildert die Situation einiger junger Leute, die sich für die Rechte Schwarzer Menschen starkmachen.
Manche Geschichten handeln von alleinerziehenden Müttern, die von ihren Männern verlassen wurden.
Von der schlechten Krankenversorgung für Schwarze.
Von einer Familie, die lieber einsam und allein im Wald lebt, als ihren Sohn dem Rassismus durch andere Leute auszusetzen.
Vom rassistischen System damals sowie vom rassistischen Verhalten und Denken der Menschen.
Von Vorurteilen.
Von Armut und Gewalt.
Und von vielem mehr.
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MEINUNG:
Bisher habe ich mich viel zu wenig in Geschichten mit Rassismus, der Rassentrennung, der Rassenintegration oder mit BIPoC-AutorInnen und deren Perspektiven (Own Voices) beschäftigt, was ich unbedingt weiter nachholen möchte.
Für den Einstieg fand ich diese Geschichten-Sammlung gut geeignet, da es Oliver gelingt, eine große Bandbreite an Erfahrungen und Erlebnissen Schwarzer AmerikanerInnen zu präsentieren, und man die verschiedensten Eindrücke gewinnen kann.
Schon die erste Kurzgeschichte hat mich umgehauen! Tatsächlich war „Nachbarn“ für mich die stärkste der 14 Geschichten.
Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass erwachsene Menschen aus Hass so weit gehen würden, nur, weil ein Schwarzer Junge an die Grundschule von weißen Kindern wechseln soll. Die Ausmaße haben mich fassungslos gemacht. Für mich eine der emotionalsten Geschichten im Buch!
Manche Geschichten gingen mir sehr nahe, andere haben mich erstaunt oder überrascht, viele regen zum Nachdenken an und überall begegnet man rassistischen Strukturen, bei denen einem die Worte fehlen.
Die Kurzgeschichten dieser Sammlung habe ich als unterschiedlich stark empfunden. Zu Beginn war ich nah am Geschehen dran, gegen Ende empfand ich das Buch als etwas schwächer.
Manche Schilderungen sind schwammiger als andere. Lediglich mit einer der 14 Geschichten konnte ich nichts anfangen und war etwas verwirrt – irgendwas habe ich da nicht verstanden.
Aber insgesamt haben mir die Geschichten sonst gut gefallen.
Ich mochte den anschaulichen Schreibstil von Oliver und vor allem Kinderperspektiven sind der jungen Autorin ausgesprochen gut gelungen, wirkten auf mich altersentsprechend und authentisch (da bin ich sehr sensibel!).
Das Schreiben von Oliver wirkt modern – sie war ihrer Zeit wohl ein großes Stück voraus.
Am Ende des Buches wird ausführlich darauf eingegangen, warum im Buch, wann und welche Begriffe für Schwarze Menschen verwendet und wie sie übersetzt wurden.
Schimpfwörter werden im Text mit * geschrieben.
So hätte ich das gerne in jedem Buch! Klasse!
Lediglich die Verwendung des I-Wortes hätte man auch noch begründen können.
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FAZIT: Diese wunderbare Kurzgeschichten-Sammlung erzählt vom Leben Schwarzer AmerikanerInnen in den 50er- & 60er-Jahren in und aus den Südstaaten. Einige Geschichten haben mich schwer beeindruckt, berührt und zum Nachdenken angeregt. Einzelne Geschichten fand ich etwas schwächer. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Leseempfehlung und 4-4,5/5 Sterne!
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(C.N.: Rassismus, körperliche Gewalt, Mord)