Autorenporträt
Der Autor, Frank Göhringer, war in den ´80er Jahren Herausgeber des HM-Magazins „Mortal Sin“ (das heute noch im Internet aktiv ist)!
Göhringer weiß, wie jeder andere wirkliche Fußball-Fan auch, wieviel der Ratschlag seines Hausarztes zählt, doch um Gottes Willen mit dieser schweren Erkältung und bei diesem Schneetreiben zu Hause im Bett zu bleiben, wenn morgen abend nur schlappe 800 km entfernt das entscheidende Pokalspiel DEINES Clubs stattfindet! Das uralte und eigentlich viel zu kleine Glückstrikot aus den ´70er Jahren nimmt fast magische Kräfte an, verkörpert den nostalgischen Glauben daran, daß, zumindest im Fußball, früher alles besser war (natürlich ein Irrglaube, denn UNSERE Jungs waren damals schon genauso blind wie heute). „Football is about winning things with style“? So’n Quatsch! Im Fußball geht es um Leben oder Tod? Welch Untertreibung! Für Fanatiker wie Frank Göhringer IST Fußball das Leben.
Was mag einen normalen Menschen bewegen, ein Buch über seinen Lieblingsclub zu schreiben? Insbesondere, wenn man sich vor Augen hält, daß dieser Club nie von Titeln und Triumphen verfolgt wurde und der noch dazu 1998 nach zwölf Jahren Erstligazugehörigkeit in die Zweite Liga abgestiegen ist?
Allzu normal kann dieser Mensch sicher nicht sein, so wie alle, die „ihrem“ Club überallhin folgen und denen es vollkommen egal ist, wie das Team gerade dasteht, ob man gute Chancen hat, das betreffende Spiel zu gewinnen oder nicht, ob es gerade stürmt, regnet oder schneit, ob man 40 km fahren muß oder 400.
Ehrlicherweise muß ich zugeben, daß sich das Thema, meine Erfahrungen mit meinem Lieblingsclub niederzuschreiben, ganz von alleine erledigt hätte, hätte ich auch nur geahnt, daß am Ende der tragischen Saison 1997/98 die Rückkehr in die Zweite Liga stehen sollte. Ich habe nach Beendigung dieser Spielzeit viele Wochen benötigt, um mich dazu aufzuraffen, auch das folgende Jahr zu schildern, zu groß war die Enttäuschung, zum ersten Mal nach zwölf Jahren NICHT an der stets im Sommer aufkommenden Vorfreude auf die neue Bundesliga-Saison teilhaben zu können, weil wir eben schlicht und einfach nicht mehr dazugehörten.
Doch es kam der Tag (lange bevor diese unglücksselige Saison ‘97/98 überhaupt begonnen hatte), an welchem ich mir dachte, daß es vielleicht mal ganz interessant sein könnte, zu erfahren, was in Kopf und Herz eines Fußballfans während einer Saison so alles vorgeht, eines Fans, der schon als kleiner Junge für „seinen“ Verein geschwärmt und diesen unterstützt hat und dies auch und gerade nach dem Abstieg weiter tun wird, wie die Zeilen über unsere Zweitliga-Spiele ‘98/99 beweisen. An jenem Tag im Jahre 1997 begann ich, meine Erlebnisse niederzuschreiben - dies nahm dermaßen viel Zeit in Anspruch, daß darüber schon die neue Saison ‘97/98 begann und ich mir dachte, diese einfach noch „mitzunehmen“, Woche für Woche, Spiel für Spiel, dem Abstieg entgegen, der uns wie ein Schock am letzten Spieltag getroffen und alles zerstört hat, was in vielen Jahren zuvor mühsam aufgebaut wurde und der mich noch stärker an diesen Club gebunden hat als je zuvor.
Für all diejenigen, die das Buch „Fever Pitch“ oder „An irrational Hatred of Luton“ gelesen haben (Pflicht für jeden Fußballfan), eine Ergänzung und ein Einblick in das Wesen eines deutschen Fans, für alle, die ebenso verrückt sind wie ich, eine Bestätigung und Erleichterung („es gibt doch noch welche, die genauso verrückt sind“, so ging es MIR, als ich „Fever Pitch“ las) und für alle Nicht-Fans ein klein wenig des Weges, den man im Umgang mit Leuten wie mir gehen muß, um ein wenig Verständnis für sie und ihr gefühlsmäßiges Auf und Ab während einer Saison aufzubringen. Im Gegensatz zu den beiden englischen Büchern, stehen bei mir die beiden Jahre und alle darin stattgefundenen Spiele des KSC sowie meine Gedanken dazu im Mittelpunkt, ergänzt durch zahlreiche Erlebnisse, die ich bis in alle Ewigkeiten im Herzen tragen werde und die sowohl tragisch (im fußballerischen Sinne) als auch euphorisch gewesen sind.
Zum besseren Verständnis sei erwähnt, daß ich alle Kommentare zu den jeweiligen Spielen direkt danach gemacht habe, zumeist am folgenden Tag - nur so war es möglich, alles niederzuschreiben, was mir nach den Spielen so alles durch den Kopf ging und was ich auf unseren Auswärtsfahrten erlebt habe. Hierbei wird man auf Meinungen und Gedanken stoßen, die einmal mehr aufzeigen, wie sehr man doch mit „seinem“ Verein leiden und wie falsch man auch mit seinen „fachmännischen“ Kommentaren liegen kann. Es wäre einfach gewesen, diese, nachdem sie sich als falsch herausgestellt hatten, herauszunehmen oder zu ändern, doch dies habe ich mit Absicht nicht getan - schließlich ist das Tolle am Fußball auch die Tatsache, daß jeder meint, er wisse alles besser und Meinungen oftmals völlig konträr aufeinanderprallen. Glauben Sie mir, im nachhinein habe ich mehr als einmal gedacht „Ich bin echt nicht ganz dicht“, sicher genauso oft, wie so mancher von Ihnen, der sich das alles hier durchliest, aber ich sage immer, solange man weiß, daß man nicht normal ist, ist alles okay - erst wenn man beginnt, die eigene Verrücktheit als normal zu betrachten, sollte man sich Gedanken machen.
Jeder weiß, daß diese Aufzeichnungen aufgrund des Abstiegs ‘97/98 sowie des angepeilten und nicht erreichten Wiederaufstiegs ‘98/99 und der damit verbundenen tiefen Traurigkeit zwischenzeitlich nicht gerade vor Optimismus sprühen, ich hoffe aber trotzdem, daß der Spaß beim Lesen nicht darunter leidet und daß man hinterher die Leute ein wenig besser versteht, die ebenso feiern und leiden können wie ich - es gibt zehntausende davon und wenn sich der eine oder andere, über alle Club- und somit Sympathie- und Antipathiegrenzen hinweg in diesen Zeilen wiederfindet, dann ist der Sinn dieses Buches erfüllt und ein KSC-Fan trotz aller Enttäuschungen der letzten beiden Jahre sehr glücklich.